Heim(at) im KLANG – Die 19. Stunde von Karlheinz Stockhausens letztem Zyklus im Praetorium

07. Mai 2010

Das Ensemble musikFabrik sowie zahlreiche Gäste werden an diesem Wochenende ( 8. und 9. Mai, jeweils zwischen 12 und 24 Uhr) Karlheinz Stockhausens Zyklus KLANG, in dem er die 24 Stunden des Tages vertonen wollte, erstmals komplett aufführen. In neun verschiedenen Spielstätten in Köln werden unterschiedliche „Stunden“ zu hören sein, unter anderem im Praetorium, der geschichtsträchtigsten Spielstätte des Festivals. Ein Beitrag von Jörg Wehner (Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln)

Praetorium (Foto: Jörg Wehner)

Über frühere Heimat gehen wir oft hinweg, vermissen sie daher leicht, oft schmerzlich, statt ihr auf den Grund zu gehen und damit einen Grund zu bekommen. Grund wofür? Womöglich für alte, wieder gewonnene oder neue Heimat, ehe wir meinen, den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen.

der grund

die steine liegen
im klaren wasser
das hat seinen grund alles verschwamm
als sie sanken
und aufwühlten was
sie auffing zeitweise war
nicht mehr zu sehen
der grund

In Köln laufen wir über altes römisches Gelände, das diesem Volk vor über 2.000 Jahren zur Heimat wurde. Wir haben damit auch eine römische Heimat, selbst wenn wir sie nicht annehmen. Aber die Überreste machen es deutlich, denen wir begegnen.

touristen

der vorübergehende trifft
das bleibende
das vorübergehen
bleibt

Beispiel Praetorium, der alte römische Statthalterpalast, das größte und ehrgeizigste Gebäude der Römer entlang des Rheins. 1953 von Bauarbeitern bei Ausschachtungsarbeiten für den Wiederaufbau des Spanischen Baus entdeckt, ist es unter dem Rathaus Bestandteil der Archäologischen Zone. Unterirdisch wird hier Geschichte begangen, wir kehren heim in die Zeit, als Kaiser mit Namen Augustus, Claudius, Trajan, Hadrian, Silvanus, Marcus Cassianus oder Konstantin die Welt regierten.

Das Praetorium ist Aufführungsort am 8. und 9. Mai 2010, für einen Part aus KLANG, Karlheinz Stockhausens letztem, unvollendet gebliebenem Zyklus, der bei der diesjährigen MusikTriennale in Köln erstmals komplett aufgeführt wird. Den Zuhörern schlägt hier an beiden Tagen ab 12 Uhr jeweils die 19. Stunde des Tages mit dem Titel „Urantia“. 2007 komponierte Stockhausen das Stück für Sopran und Elektronische Musik. Das Konzert im Praetorium arrangiert der Klangregisseur Paul Jeukendrup (Tonband), der auch für Stockhausen früher arbeitete.

Den 24 Stunden eines Tages wollte der Kölner Komponist mit seinem Werk zum KLANG verhelfen, kam aber nur bis zur 21. Stunde, bis der Tod seinen Plan durchkreuzte. Zur möglichen Aufführung seines Zyklus äußerte er sich im August 2003 wie folgt: „Die 24 Stunden müssen nicht in einem Gebäude in 24 Räumen oder einem Museum dargestellt sein, sondern könnten auch an ganz verschiedenen Orten gleichzeitig aufgeführt werden.“ Dieser von ihm anvisierten Aufführungspraxis kommt die MusikTriennale bei der Uraufführung des kompletten Werkes an neun Spielstätten durch das Ensemble musikFabrik sowie zahlreiche Gäste nahe.

Praetorium (Foto: Jörg Wehner)

Klänge aus neuerer Zeit an einem Platz alter Zeit. Ein reizvoller, ein anregender Gegensatz, und Gelegenheit, sich in 2.000 Jahre alten römischen Gemäuern, der Heimat der alten Römer, entführen zu lassen von Neuer Musik, die sich um das Werden und Vergehen, den Charakter von Zeit und Zeiten rankt. Erdacht von einem, wenn nicht dem Wegbereiter elektronischer Musik, dem sein Schaffen den Spitznamen „Papa Techno“ eintrug und der Bands wie Can, Kraftwerk, Beatles, Frank Zappa, Pink Floyd oder Musiker wie Miles Davis, Herbie Hancock, Yoko Ono und Björk beeinflusste. Vielleicht beginnen bei der Aufführung im Praetorium die Gedanken zu kreisen: Was spürt die Musik nach? Was setzt sie voraus? Und was erzeugt sie? Ich bin gespannt, was uns dieses einzigartige „Zeit“-Konzert angesichts des fortwährenden Säbelrasselns der Historie sagen wird. Vielleicht dieses: Diese Musik zitiert uns die Zeit, die Zeit zitiert uns in die Geschichte. Der Ort in diesem Fall erst recht. Ein musikalischer Ausflug mit Folgen.

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KOMED der neuen Musik

07. Mai 2010

Gerhard Kock, Geschäftsführer der KOMED im MediaPark GmbH, über den KOMED-Saal als Spielstätte der MusikTriennale Köln 2010

Ein Konzert des Ensembles Musica Antiqua – das war meine erste Begegnung mit dem KOMED-Saal im MediaPark. Ich habe es genossen, die alte Musik in der modernen und anspruchsvollen Architektur des Gebäudes zu hören. Einige Monate später hat es mich auch beruflich zu KOMED geführt – eigentlich eher ein Bildungs- als ein klassischer Kulturort. Den Saal beleben Konferenzen, Kongresse, Tagungen, Seminare und Roadshows, die Musik war dort immer nur eine Episode: In den ersten Jahren hat der „Mitbewohner“ VIVA dort hin und wieder ein exklusives Konzert durchgeführt, bis der Musiksender erst den MediaPark und dann die Stadt verlassen hat. Als vor zwei Jahren die musikFabrik die alten VIVA-Flächen bezogen hat, zeigte sich erneut, wie gut sich der Saal gerade für neue Musik eignet, auch wenn die an den großen Fensterflächen des Saals vorbeigleitenden Züge im Saal leider ganz leise zu hören sind. Und da auch das Netzwerk Neue Musik ON in den MediaPark gezogen ist, steht das Gebäude nun für die Lebendigkeit der Neuen Musik in unserer Stadt wie vielleicht kein anderes Haus.

Folgerichtig ist es deshalb, dass der KOMED-Saal nun erstmals zum Spielort der MusikTriennale Köln wird. Neun ganz unterschiedliche Konzerte werden hier zu hören sein. Darunter sind auch zwei Lunchkonzerte, die hoffentlich für möglichst viele der im MediaPark arbeitenden fünftausend Menschen, die bei neuer Musik nicht direkt aufhorchen, zu einer Begegnung mit dem Festival führen wird.

Auch das für mich spannendste Projektes bekommt bei uns Raum: die auf verschiedene Orte in der Stadt verteilte Erstaufführung des Zyklus KLANG von Karlheinz Stockhausen. Wie fügen sich die einzelnen Teile zu einem geordneten Ganzen zusammen, wenn das Publikum wandelnd durch die Innenstadt geht? Jeder wird sich auf diese Weise seine eigene KLANG-Komposition zusammenstellen. Ich freue mich auf dieses Werk besonders, weil ich vor vielen Jahren als Bratscher an der Aufführung von zwei Wochentagen des anderen großen Stockhausen-Zyklus LICHT mitgewirkt habe. Als Gelegenheitsmusiker habe ich so eine besondere Sympathie für diese Konzerte. Und als „Gelegenheitskonzertsaal“ wird KOMED hoffentlich auch über die MusikTriennale Köln hinaus immer wieder dienen.

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Kölsche Heimat

06. Mai 2010

„Heimat – heimatlos“ – so heißt das Thema der diesjährigen MusikTriennale. Aber wie sieht das eigentlich mit der kölschen Heimat hier vor Ort aus? Haben „Krätzcher“ etwas mit Krätze zu tun? Warum nennt man  Hahnentorburg „Hahnentorburg“? Und was heißt „Soße“ auf kölsch?

Philipp Oebel, Foto: Janet Sinica

Antworten auf diese Fragen fanden insgesamt 250 Kinder zwischen 6 und 10 Jahren beim Projekt „Krätzcher-Singen“ der MusikTriennale 2-20. Ursprünglich hatten sich etwa dreimal so viele Gruppen aus den offenen Ganztagsschulen angemeldet, wie Plätze zur Verfügung standen, so dass die Teilnehmer für die fünf Termine ausgelost werden mussten.

Der Sänger Philipp Oebel empfing die Kinder zuerst vor der Hahnentorburg; dann ging es über eine schmale Wendeltreppe hinauf in das historische Turmzimmer. Dort erfuhren die Kinder eine Menge Wissenswertes zur Hahnentorburg, u.a. dass man früher Zoll bezahlen musste, wenn man durch die Torburg die Stadt betreten wollte und wie diverse kölsche Originale wie z.B. der „Fressklötsch“ diese Regel zu umgehen wussten: nämlich indem er die zu verzollenden zwei Schinken und Käse einfach aufaß.

Im anschließenden musikalischen Teil gab es kölsche Lieder zum Hören und Mitsingen. „Op dem Markt“ war den meisten Kindern bekannt; beim Lied „Der treue Husar“ wurde der beste Echo-Chor ermittelt. Ums Essen ging es im Lied von der „Zaus“ mit dem „Gewürzvorspiel“ und dem „Frühstückslied“, welches Philipp Oebel selbst komponiert hat. Die Kinder waren engagiert bei der Sache und verlangten dem Sänger noch die ein oder andere Zugabe ab.

Im Museumsraum der Ehrengarde, die die Hahnentorburg betreut, konnte man zum Schluss neben einem Modell der Hahnentorburg aus früheren Zeiten auch jede Menge Karnevalsorden sowie eine echte Prinzenuniform bestaunen.

Ein herzliches Dankeschön an die SK Stiftung Kultur, die das Projekt an diesem außergewöhnlichen Ort ermöglicht hat!

Für alle: Philipp Oebel singt kölsche Krätzcher am 7. Mai um 12:30 Uhr auf dem Ostermannplatz!

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Sounds of my neighbourhood

04. Mai 2010

Inwieweit wirkt Gehörtes, wirken Klänge im Leben eines Menschen heimatstiftend? In einem Projekt zu Karlheinz Stockhausens HYMNEN unter der künstlerischen Leitung von hans w, koch in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn haben sich junge Menschen auf der ganzen Welt mit den Klängen in ihrer Lebenswelt auseinandergesetzt. Die Ergebnisse werden auf son2010.musiktriennale.de vorgestellt und fließen in eine akustische Weltkarte ein, die im Foyer der Philharmonie vom 5. bis 9. Mai 2010 präsentiert wird.

HYMNEN von Karlheinz Stockhausen gehört zu den zentralen Werken der neuen Musik. Am 5. Mai werden Peter Eötvös und die musikFabrik das faszinierende Werk in der Kölner Philharmonie zur Aufführung bringen.  Nationalhymnen aus aller Welt hat Stockhausen nach Regionen gruppiert. Keine Collage, eine Synthese im Wechselspiel verschiedener Musikkulturen, von Material und Modulation, von Elektronik und Akustik., »eine Musik für alle Länder und Rassen«.

Heute, über 40 Jahre später, ist das Internet das Wahrzeichen einer die Welt umspannenden Verbindung zwischen allen Ländern. Dies war der Ausgangspunkt für das Projekt »Sounds of my neighbourhood«. Dem Aufruf im Internet folgend, zogen Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit los  um Aufnahmen von Klängen in ihrer Nachbarschaft zu machen. Daraus entwickelten sie kleine Soundscapes, Klanglandschaften, die ihren Lebensraum abbilden.

Parallel zu den Aktivitäten im Internet veranstaltete das Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn einen Workshop »Klang und Wirklichkeit«. Welche Assoziationen rufen »Heimat-heimatlos« hervor und wie lassen sich diese audio-visuell veranschaulichen.

Sounds of my neigbourhood. Ein Projekt der MusikTriennale Köln in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Konzeption und künstlerische Leitung: hans w. koch, Komponist und Klangkünstler, Köln. Durchführung des Workshops “Klang und Wirklichkeit”: Christian Thomé und Gonzalo Rodriguez. Programmierung der Spatialisierung: Hannes Hoelzl, Köln. Wir danken pixelpark für die freundliche Uberlassung des surface Multi-Touch-Tisches.

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Tragedy is easy, comedy is hard

30. April 2010

Der Regisseur Oliver Kloeter zur szenischen Realisierung von Mauricio Kagels „Divertimento – Farce für Ensemble“ mit dem Ensemble 20/21 unter der Leitung von David Smeyers am 3. Mai im KOMED-Saal

„Herr Kloeter, ich suche einen Regisseur für ein Werk von Mauricio Kagel. Es handelt sich um ,Divertimento – Farce für Ensemble’. Ich weiß, Sie sind Opernregisseur, es kommen in diesem Werk aber keine Sänger vor. Hätten Sie Interesse? Wir machen das Werk für die Musiktriennale Köln.“  Kurz gefasst verlief so das erste Telefonat zwischen David Smeyers und mir.

Dieses Werk ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Vor allem strotzt es nur so vor feinem Humor. Allein beim Lesen der Partitur musste ich nonstop schmunzeln und manchmal ebenfalls schallend lachen. Nach nun ca. zwanzig Jahren Berufspraxis in der Welt der Oper waren mir die von Kagel komponierten Situationen nicht fremd. Im Gegenteil. Wie schelmisch und zeitgleich liebevoll er die Orchestermusiker portraitiert ist einzigartig. Man könnte das Konzert – salopp formuliert – als den verkörperten Alptraum eines Dirigenten bezeichnet: man hört „unkonzentrierte“ Musiker (sie sind natürlich nicht unkonzentriert – ganz im Gegenteil. Das Werk ist schwer!), sie verhalten sich „undiszipliniert“, „reagieren“ wie kleine Kinder, „vergessen“ ihre Instrumente, „verfehlen“ Einsätze ihres Maestros etc. Kagel lässt sich viel einfallen, um sein Orchester zu verbildlichen und hat sichtlich viel Freude daran.

Die Proben zum Konzert am 3. Mai im KOMED-Saal verlaufen in ausgesprochen guter und leichter Atmosphäre, was neben dem Stück auch David Smeyers selbst zu verdanken, der, passend zum Kagel’schen Werk, den gleichen, verschmitzten Humor mitbringt. Das Orchester ist exzellent zusammengestellt, allesamt Topmusiker! Um den Orchesternachwuchs muss man sich – wie man sieht und hört – wahrlich keine Sorgen machen. Neben ihrer Begabung bringen sie zudem sehr viel Disziplin mit. Das brauchen sie für dieses Werk auch, denn „Tragedy is easy, comedy is hard!“ Für die Musiker ist die Umsetzung doppelt anspruchsvoll, denn dazu, dass sie an falschen Stellen einsetzen sollen, müssen sie noch leise„leichte Komödie“ spielen. Die Musiker sind sich dessen bewusst, sie lassen sich während der Proben  von mir leicht führen und haben selbst Freude an den szenischen Situationen, am Musizieren und am Erlernen komödiantischen Spiels. Und sie sind bereits jetzt, am Anfang der Proben, auf dem besten Wege dieses Werk leicht, präzise, witzig und hochsouverän zu präsentieren. Das Publikum wird es Ihnen danken. Das steht bereits fest.

Oliver Kloeter, Regisseur. Notiert am 19. April 2010 während einer Probe.

Oliver Kloeter
Oliver Kloeter

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Vier Fragen an René Kollo

27. April 2010

Im Rahmen der MusikTriennale Köln präsentiert die Kölner Oper das im Jahr 2008 uraufgeführte Werk »Love and Other Demons«. Im Zentrum steht eine verbotene Liebe. Sie spielt in der tropisch-magischen Welt Kolumbiens des 18. Jahrhunderts. Die Geschichte basiert auf dem Roman »Del amor y otros demonios« des Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. Der ungarische Komponist Peter Eötvös (*1944) hat eigens für René Kollo die Rolle des Don Ygnazio adaptiert.

Probenfoto Love and other daemons (© Silviu Purcarete)

Probenfoto »Love And Other Demons« (© Silviu Purcarete)

Welche Erinnerungen verknüpfen Sie mit der Oper Köln?
Es gibt zwei sehr schöne Erinnerungen, die ich mit der Oper Köln verbinde: Zum einen die »Pique Dame« in der Regie von Rudolf Noelte – diese Produktion ist mittlerweile auf DVD erhältlich – zum anderen Harry Kupfers »Jenufa«.

Wo liegen die Herausforderungen Ihrer Partie in »Love and Other Demons«?
Die Partie des Don Ygnacio ist nicht ganz leicht geschrieben, an manchen Stellen fast schon extrem schwierig, denn manches ist sehr hoch! Aber absolut machbar. »Love and Other Demons« ist eine anspruchsvolle Oper, mit interessanter Musik, und auch meine Rolle ist ein intensiver Charakter.

Gefällt Ihnen die Musik?
Ja, die gefällt mir. Ich bin nicht mit allem Zwölfton-Werken, mit allem Modernen einverstanden. Peter Eötvös’ Oper aber ist eine Musik, die auch zwölftönig einen romantischen Touch hat, das macht sie ungewöhnlich. Sie ist eine dramaturgische Oper, das heißt eine musikalische Erweiterung des Stoffes, der dargestellt wird. Es geht nicht nur um die Töne an sich.

Möchten Sie uns zwei oder drei schöne und für Sie bedeutende Erinnerungen Ihrer Karriere nennen?
Ich hatte 45 phantastische Jahre – alles, was ein Sängerleben bieten kann! Karajan, die Met, Bayreuth … Es fällt mir schwer, etwas hervorzuheben.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Interview Birgit Meyer, Operndirektorin)

Love and Other Demons

29. April 2010 > 6., 8., 12., 16., 24. Mai 2010

MIT Anna Palimina, René Kollo, Jovita Vaskeviciute, Miljenko Turk, Dennis Wilgenhof, Dalis Schaechter, Adriana Bastidas Gamboa, John Heuzenroeder, Chor der Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln

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„Meine philosophische Heimat ist ein virtueller Raum“

25. April 2010

Reiner Michalke, Chef des Kölner Stadtgarten und Künstlerischer Leiter des moers festival, im Gespräch über die Kölner Jazz-Landschaft

Was hat sich zwischen 1994 und 2010 in der Kölner Jazzszene verändert?

Da muss ich tatsächlich tief in mein Gedächtnis greifen. Anfang der 1990er Jahre hatte mich Franz Xaver Ohnesorg darauf angesprochen, ob ich Lust hätte, ein Festival mit zu konzipieren, bei dem die gesamte Musik des 20.

Jahrhunderts egalitär präsentiert werden sollte. Die Idee war, in drei Festivals 1994, 1997 und 2000 ein Resumee der Musik des 20. Jahrhunderts zu ziehen und dabei anzuerkennen, dass die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts ganz entscheidend vom Jazz und der Improvisierten Musik geprägt war. Köln war zu diesem Zeitpunkt DIE Musikstadt Deutschlands und die deutsche Hochburg des Jazz. Der Stadtgarten, der übrigens fast zeitgleich mit der Kölner Philharmonie 1986 eröffnet wurde, war eines der ganz wenigen europäischen Zentren für diese Musik.

Mit der Öffnung der Mauer und der Entscheidung für Berlin als Regierungssitz hat dann der Kulturstandort Köln sehr viel mehr verloren, als sich damals die Politik vorstellen konnte. Erst viel später hat man hier in Köln verstanden, dass Köln nicht nur aus sich selbst heraus als Kulturstandort funktionierte, sondern auf Grund der Nähe zu Bonn auch so etwas wie die kulturelle Hauptstadt war – auf jeden Fall zu den Top Five in Deutschland gehörte. Das ist heute anders. Auch wenn es der Kölner nicht gerne hört, müssen wir feststellen, dass Berlin nicht nur das unumstrittene kulturelle und gesellschaftliche Zentrum dieser Republik ist und sondern inzwischen auch die lebendigste und attraktivste Stadt Europas. Und davon ist auch der Jazz in Köln betroffen. Dank der Attraktivität der Kölner Musikhochschule sieht es hier noch ganz gut aus, aber es ist nicht mehr so viel los wie in den 80er und 90er Jahren. Allerdings – wenn der politische Wille da wäre – könnte es ein Leichtes sein, hier wieder aufzuholen.

Wie ist die Bedeutung von Köln für den Jazz in der Welt?

Ganz schwierig zu beantwortende Frage. Auf der internationalen Landkarte des Jazz gab es zwei Phasen, in denen Köln internationale Beachtung fand. Dies waren zum einen die 1960er Jahre, als Gigi Campi die Kenny Clarke Francy Boland Big Band gründete, sich mit dem Kurt Edelhagen Orchester im ständigen Wettbewerb befand und zahlreiche Jazz-Konzerte in Köln organisierte. Und es waren die 1980er Jahre als WDR, Musikhochschule und die Jazzmusiker mit der Initiative Kölner Jazz Haus e.V. gemeinsame Projekte verfolgten und damit internationale Aufmerksamkeit erregten. Aber auch heute kommen immer wieder international nachgefragte (Jazz-) Musiker aus Köln – einige davon wohnen aber inzwischen leider in Berlin.

Wie sehr unterscheiden sich die so genannte Weltmusik bzw. „Musik der Welt“ und die aktuelle Musik bzw. der Jazz?

Auf die Frage, was ist für dich “Weltmusik”, hat der österreichische Saxophonist Wolfgang Puschnig, einmal sinngemäß geantwortet: Alle Musik, die da ist, ist Weltmusik, sonst wäre sie ja nicht auf der Welt. Natürlich ist Jazz eine “Weltmusik” im allerbesten Sinne – wenn man einmal von dem von der Musikindustrie geprägten Verwendung absieht. Im Süden der USA von unfreiwilligen und freiwilligen Migranten aus West-Afrika und Europa erfunden, ist Jazz allein schon auf Grund seiner Non-Verbalität die welt-umspannende Musik. Mit keiner anderen Kunstform gelingt es, dass Musiker verschiedenster Herkunft ohne Proben und langwierige Absprachen vor Publikum ein hochwertiges Konzerterlebnis schaffen können. Dazu kommt, dass Jazzmusiker schon immer gerne Inspiration bei anderen Musikarten, und hier auch gerne bei den verschiedensten Volksmusiken gesucht und gefunden haben.

Cyro Baptista am 4. Mai um 20.30 Uhr im Stadtgarten

Wo ist Ihre musikalische, persönliche, philosophische Heimat?

Meine musikalische Heimat ist – auch wenn es vermessen klingen mag – New York. Keine andere Stadt hat eine so große Anziehungskraft auf Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt. Die Folge ist, dass die Dichte hochinteressanter Musiker nirgendwo so hoch ist wie in New York und damit auch in der Folge die Qualität. Deshalb verbringe ich mehrmals im Jahr sehr viel Zeit in dieser Stadt. Ich verfolge aber auch mit großem Interesse, dass Berlin hier für den europäischen Raum zunehmend eine vergleichbare Rolle einnimmt.

Meine persönliche Heimat ist Köln. Hier bin ich geboren, hier lebt meine Familie und hier kenne ich jede Straße. Meine “philosophische” Heimat ist ein virtueller Raum, so eine Art geistiger Gemeinschaft mit vielen anderen Gleichgesinnten auf der ganzen Welt, die sich nicht kennen, sich auch nicht auf einen gemeinsamen Kodex oder eine Religion verständigt haben, sehr wohl aber feststellen, wenn sie sich treffen, dass es etwas gibt, das sie miteinander verbindet und das sie miteinander teilen.

Die Fragen stellte Othmar Gimpel

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Weltweite Heimat: Der WDR sendet viele Festivalkonzerte in die ganze Welt

20. April 2010

Von Prof. Karl Karst, Programmchef WDR 3 und Mitglied der Künstlerischen Leitung der MusikTriennale Köln

Was ist für Sie Heimat?

Jeder versteht unter Heimat etwas anderes: Eine Stadt, eine Region, ein Land, eine Sprache oder eine bestimmte Form der Musik. Was es auch ist: Ein Welt-Bewusstsein ohne Heimatbegriff ist aus meiner Sicht nicht möglich, jeder denkt „Welt“ aus der Perspektive von „Heimat“.

Heimat und Musik

Musik ist eine der intensivsten Möglichkeiten, Heimat zu artikulieren: Es gibt Farben, Kleidung, Gesichter, Sprache – und es gibt die Gesänge, die Instrumente, die spezifischen Klänge der Kulturen. Durch Medien wie Radio und Internet, aber auch durch die Mobilität der Weltbevölkerung sind uns diese Klänge heute vertrauter als in früheren Jahrhunderten. Musik und „Musikkulturen“ lassen sich – im Gegensatz zu materiellen Gegenständen, die transportiert werden müssen, oder zur Sprache, die übersetzt werden muss, und erst Recht zu Gerüchen oder Temperaturen, die man körperlich erleben muss – sehr leicht durch unsere Medien übermitteln. Dadurch tragen sie erheblich zu einer Kommunikation der Kulturen bei.

Eröffnungskonzert und Creole@MusikTriennale im Funkhaus

Der besondere Reiz der Eröffnungstages der MusikTriennale Köln 2010 besteht darin, dass er ein Doppelaufschlag ist: Zunächst das offizielle Eröffnungskonzert, wie es sich gehört, in der Kölner Philharmonie, mit dem WDR Sinfonieorchester Köln. Dann aber die WDR 3 Musik-Nacht Creole@MusikTriennale im Funkhaus Wallrafplatz, mit Musik der Welt, von Latin-HipHop über afghanische Kunst-Musik bis hin zu russischem Elektro-Folk, gespielt und gesungen von Musikern, die allesamt in Nordrhein-Westfalen leben. Beides kommt im Programm von WDR 3 zusammen und wird live sowie zeitversetzt bis 2:00 Uhr in der Nacht ausgestrahlt.

WDR und MusikTriennale Köln

Der WDR ist neben der Stadt Köln Träger der MusikTriennale Köln. Er ist darüber hinaus – durch seine Mitarbeit in der Künstlerischen Leitung – Mitgestalter des Programms. Und er ist drittens, mit seinen zahlreichen Hörfunk- und Fernsehproduktionen DER zentrale „Broadcaster“ des Festivals – weit über die Grenzen des Landes hinaus.

World-Broadcaster der MusikTriennale Köln

Der WDR ist sozusagen der World-Broadcaster der MusikTriennale Köln. Wir senden alleine auf WDR 3 mehr als 30 Konzerte – mehrheitlich live. Sie gelangen via UKW zu allen Empfangsgeräten, ob groß oder klein, in Nordrhein-Westfalen. Man erhält sie europaweit über den Satelliten in CD-Qualität. Und wir übertragen weltweit via Internet-Stream über www.wdr3.de. Gleichzeitig speisen wir einzelne Konzerte, wenn wir dazu die Rechte haben, über die EBU (European Broadcasting Union) in das weltweite Netzwerk der Kulturradios ein. Wird ein Konzert auf diese Weise über die sogenannten „Pink Offers“ der EBU ausgestrahlt, kann es problemlos zwischen einer und drei Millionen Hörer weltweit erreichen.

Mammutaufgabe: Ruhr 2010 und MTK 2010

WDR 3 versteht sich als Kulturradio für NRW. Mit acht Stunden Aktueller Kultur werktäglich ist es das größte Feuilleton im Land – und zugleich ist es Abbild und Partner der großen Kulturereignisse in Nordrhein-Westfalen. In einem Jahr wie 2010 ist das eine Herausforderung, gerade in den Monaten April und Mai: Parallel zur Startphase der MusikTriennale Köln finden die Wittener Tage für Neue Kammermusik statt, die wesentlich von uns getragen werden. Im Mai sind wir beim „moers festival“ intensiv präsent und am 29. Mai findet aus Anlass des Jubiläums „10 Jahre WDR 3 Kulturpartnerschaft“ eine Sternfahrt zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 nach Essen statt. Bislang sind wir aber noch guter Dinge.

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Der MusikTriennale Köln entgegengetrommelt: vom Percussion-Workshop zum Percussive Planet

06. April 2010

Der Geruch von frischem Holz und Holzleim zieht durch das Foyer der Kölner Philharmonie. Drei Tage lang wird gesägt, geleimt und gezimmert, dann sind die Cajones, sogenannte Kistentrommeln, die hier im Percussion-Workshop der MusikTriennale 2-20 eigenhändig hergestellt werden, endlich fertig.

Unter der fachkundigen Anleitung von Schülerinnen und Schülern der neunten Klasse des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums Köln werden die Schlaginstrumente von den elf- bis vierzehnjährigen Kursteilnehmern liebevoll gezimmert, um sodann mit diesen individuellen Instrumenten erste Spielerfahrungen zu machen oder auch vorhandene Kenntnisse zu vertiefen.

„Von Schülern für Schüler“ ist das Motto, mit dem die erfahrenen Neuntklässler des FWG, die mit ihren selbstgebauten Cajones schon einige Aufführungspraxis besitzen, „ihre“ Workshopteilnehmer anleiten und unterstützen.

Zudem runden in Anlehnung an das interdisziplinäre „Kulturprofil“ des FWG die Kunstlehrerin Tanja Beyer und der Musiklehrer Christoph Behrens-Watin die hier praktizierte Symbiose von Kunst und Musik in Theorie und Praxis gekonnt ab.

Am Ende des zweiten Tages ertönen bereits erste Rhythmen durch den Foyerbereich der Philharmonie –ein perfekter Resonanzraum – als kleiner Vorgeschmack auf die letzte Etappe des Workshops, in der binnen kurzer Zeit ein Teil des Gebäudes schon bald zum eigenen kleinen Percussive Planet mutiert.

Beim Konzert des Schlagzeug-Virtuosen Martin Grubinger und seines The Percussive Planet-Ensembles am 08. Mai 2010, das die Nachwuchsschlagzeuger zusammen besuchen werden – ein weiteres Highlight des Workshops – kann das Erlernte sodann im direkten Vergleich mit dem Idol überprüft werden.

„NIX-IS’-WIE-KÖL-LE-AM-RING“ schallt es im Chor durch den Raum: als eins der rhythmischen Mantra-Patterns, mithilfe derer erste kompliziertere Spieltechniken erprobt werden. Dies verheimlicht einerseits nicht den klaren Bezug zum Standort Köln und zeigt andererseits in spielerischer Annäherung sowohl den Spaß am Lernen als auch am Musizieren.

So schließt sich ein Kreis bei einem der ersten Workshops im Rahmen der MusikTriennale 2-20 und hinterlässt noch eine Zeit lang einen angenehmen Holzgeruch im Foyer der Kölner Philharmonie.

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Karlheinz… Bloghausen? Eine Internetrecherche zur Gesamtaufführung von KLANG

26. März 2010

Im Rahmen der MusikTriennale Köln 2010 wird erstmals Karlheinz Stockhausens letzter Zyklus KLANG zu hören sein – aufgeführt vom Kölner Ensemble musikFabrik und zahlreichen Gastmusikern.

Karlheinz Stockhausen hat Menschen sowohl musikalisch, als auch geistig inspiriert. Seinen Einfluss kann man angesichts der zahlreichen Personen, die sich in Büchern, Artikeln, Essays und Blogs auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Komponisten beschäftigt haben, nicht leicht beurteilen. Vor einem Google-Ergebnis von mehreren Millionen Treffern zu Karlheinz Stockhausen wird man wahrscheinlich erstmal resignieren. Genauso kann man beim zeitlichen und organisatorischen Ausmaß des KLANG-Projekts zuerst mal den Überblick verlieren. Daher möchten wir im Vorfeld unseres Festivals mit einer Auswahl an Webseiten die Möglichkeit bieten, sich über Leben und Werk des Komponisten informieren zu können. In unserer Blogroll findet man wertvolle Links zu Karlheinz Stockhausen: Seiten von Stockhausen-Forschern, Enthusiasten und Wegbegleitern und auch – ganz offiziell – die der Stockhausen-Stiftung.

Die Blogroll wird beständig um weitere Einträge ergänzt, nicht nur um den Lesern unseres Blogs einen individuellen Zugang zu Stockhausen – und auch zur Aufführung des KLANG-Zyklus – zu ermöglichen, sondern auch, um dem Komponisten und seinem Einfluss auf andere Musikschaffende, auch der Pop- und elektronischen Musik, gerecht zu werden. Der Link zu einem Interview, das die isländische Sängerin Björk mit ihm geführt hat, ist dabei erst der Anfang…

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